Dyskalkulie ist eine komplexe Störung der sprachlichen Wahrnehmung und Verarbeitung. Auch wenn die genaue Ursache noch nicht vollständig geklärt ist, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass genetische, neurobiologische und kognitive Faktoren zusammenwirken.
Im Folgenden werden verschiedene Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung von Dyskalkulie erläutert.
Genetik und Neurobiologie:
Eine genetische Veranlagung spielt eine wichtige Rolle. Studien zeigen, dass Dyskalkulie in Familien gehäuft auftreten kann. Wenn ein Elternteil oder ein naher Verwandter Rechenschwierigkeiten hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind Schwierigkeiten im Rechnen entwickelt, bei 40–60%. Das Risiko steigt, wenn beide Elternteile betroffen sind. Neurobiologische Forschung hat gezeigt, dass bei Kindern mit Dyskalkulie bestimmte Hirnregionen, die für das Zahlenverständnis und die mathematische Verarbeitung zuständig sind, anders funktionieren oder weniger aktiv sind. Im Gehirn von Dyskalkuliker*innen verlaufen einige mathematische Verarbeitungsprozesse also anders. Das bedeutet: Dyskalkuliker*innen brauchen beispielsweise mehr Zeit, um Mengen und Zahlen zu erkennen, zu verarbeiten und Rechenoperationen usw. durchzuführen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Dyskalkulie ausschließlich durch genetische Faktoren oder neurobiologische Unterschiede bestimmt wird. Auch Umweltfaktoren spielen eine entscheidende Rolle.
Kognitive Prozesse:
Die Kognition umfasst alle geistigen Prozesse, die mit dem Denken, Wahrnehmen und Verarbeiten von Informationen zu tun haben.
Bei Menschen mit Dyskalkulie wirken sich veränderte neurobiologische Prozesse auf verschiedene kognitive Bereiche aus, die zwar nicht direkt für das Rechnen verantwortlich sind, jedoch wichtige Vorläuferfertigkeiten beeinflussen. Dazu gehören:
Betroffene mit Dyskalkulie haben Schwierigkeiten, relevante sprachliche und numerische Informationen im Gedächtnis zu behalten und schnell abzurufen. Diese Defizite beeinträchtigen das Erkennen von Zahlen, Rechenoperationen und deren Zusammenhängen, was den Erwerb von mathematischen Fähigkeiten erschwert. Ein schnelles und präzises Verarbeiten von Zahlen und mathematischen Konzepten ist entscheidend für das Lernen.
Kindliche Entwicklung / frühkindliche Erkrankungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen:
Frühkindliche Entwicklungsstörungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen können das Risiko für Dyskalkulie erhöhen.
Frühzeitige Förderung in diesen Bereichen kann helfen, die Entstehung von Dyskalkulie zu verhindern oder zu mindern.
Umweltfaktoren:
Die Umweltfaktoren beim Kind selbst, in Schule und Familie spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf von Dyskalkulie. Die Entwicklung von Dyskalkulie wird durch eine Wechselwirkung von genetischen Veranlagungen und Umweltfaktoren beeinflusst. Diese Faktoren können das Risiko erhöhen oder die Symptome verstärken.
Dyskalkulie hat vielfältige Ursachen, die genetische, neurobiologische, kognitive und umweltbedingte Faktoren umfassen. Ein besseres Verständnis der Ursachen kann helfen, Dyskalkulie frühzeitig zu erkennen und gezielt zu fördern. Mit der richtigen Unterstützung durch Lehrer, Eltern und Fachkräfte können Kinder mit Dyskalkulie ihre mathematischen Fähigkeiten verbessern und ein positives Verhältnis zu Mathematik entwickeln.
Menschen mit Dyskalkulie haben oft mit weiteren Schwierigkeiten oder Begleiterkrankungen zu kämpfen, die sogenannten Komorbiditäten. Diese treten bei Kindern und Jugendlichen mit Rechenstörungen häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Zu den häufigsten Begleiterscheinungen gehören:
Legasthenie (Lese-/ Rechtschreibstörung),
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung),
Angststörungen und
depressive Störungen
Ein Grund für diese Komorbiditäten ist oft die wiederholte Erfahrung von Misserfolgen trotz großer Anstrengung, was zu einem Mangel an Selbstvertrauen und Schulangst führen kann. Diese zusätzlichen Probleme können den Verlauf der Dyskalkulie negativ beeinflussen, weshalb eine frühzeitige Diagnose und gezielte Unterstützung wichtig sind. Mit der richtigen Hilfe können viele dieser Begleiterkrankungen verhindert oder zumindest gemildert werden, was den betroffenen Kindern und Jugendlichen eine bessere Chance auf schulischen und emotionalen Erfolg gibt.
