Die Suche nach einer geeigneten Therapie für Legasthenie ist für betroffene Kinder und ihre Familien ein wichtiger, aber auch herausfordernder Schritt. Um eine effektive und nachhaltige Unterstützung zu gewährleisten, gibt es einige wesentliche Punkte zu beachten. Im Folgenden möchte ich Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der Legasthenie-Therapie geben und zentrale Fragen beantworten.
Die Ziele einer Legasthenie-Therapie sind vielfältig und richten sich nach den individuellen Bedürfnissen des betroffenen Kindes. Im Allgemeinen zielt eine Therapie darauf ab, die spezifischen Herausforderungen in den Bereichen Lesen, Rechtschreiben und kognitive Prozesse zu adressieren. Hierbei wird nicht nur auf die Verbesserung der Fähigkeiten im Bereich der Schriftsprachkompetenz geachtet, sondern auch auf die Förderung der emotionalen Ressourcen des Kindes.
Die Therapie verfolgt in der Regel die folgenden Hauptziele:
Phonologische Bewusstheit fördern:
Die phonologische Bewusstheit ist entscheidend für das Erkennen und Bearbeiten der Sprachlaute und bildet die Grundlage für das Erlernen des Lesens und Schreibens. Wenn die phonologische Bewusstheit beeinträchtigt ist, werden gezielte Übungen zur Lauterkennung und Laut-Zuordnung eingesetzt, dies in Kombination mit Kenntnis der Buchstaben. Fördermaßnahmen zur Verbesserung der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten sollten gezielte Übungen beinhalten, die auf die Beziehung zwischen Graphemen (Buchstaben) und Phonemen (Lauten) abzielen. Dazu gehört das Zerlegen von Wörtern in ihre einzelnen Laute, Morpheme, Silben oder Silbenanfänge (Onset) sowie das Verbinden von Lauten zu Wörtern, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die in diesen Bereichen Schwierigkeiten haben.
Lesekompetenz steigern:
Ein zentrales Ziel der Therapie ist die Verbesserung der Lesefähigkeiten, insbesondere die Fähigkeit, Wörter zu erkennen, zu entziffern und flüssig zu lesen. Die Leseförderung erfolgt in kleinen, gut strukturierten Schritten und umfasst:
Rechtschreibfähigkeit verbessern:
Ein weiteres Ziel der Legasthenie-Therapie ist die Förderung der Rechtschreibkompetenz, insbesondere das Erkennen und Anwenden von Rechtschreibregeln. Die Rechtschreibförderung erfolgt in zwei wesentlichen Bereichen:
Selbstvertrauen und Motivation aufbauen:
Ein oft übersehener, aber zentraler Bestandteil der Therapie ist die Förderung des Selbstvertrauens und der Motivation des Kindes. Es ist wichtig, dass das Kind nicht in einen Teufelskreis aus Frustration und Misserfolgen gerät. Ziel ist es, dem Kind Freude am Lesen und Schreiben zu vermitteln, damit es langfristig motiviert bleibt und selbstbewusst in der Schule und im Alltag agieren kann.
Bei der Auswahl eines Therapeuten oder einer Therapeutin ist es entscheidend, auf Qualifikation und Erfahrung im Bereich Legasthenie-Therapie zu achten. Eine qualifizierte Fachkraft sollte über eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung in der evidenzbasierten Diagnostik und Therapie von Legasthenie verfügen. Zudem ist es wichtig, dass die Therapeuten evidenzbasierte Methoden verwenden – das heißt, Therapien und Materialien, die wissenschaftlich überprüft und in der Praxis als wirksam erwiesen sind.
Erkundigen Sie sich nach den Therapieansätzen und stellen Sie sicher, dass die Methoden individuell auf Ihr Kind abgestimmt werden. Eine gute Therapeutin oder ein guter Therapeut geht auf die spezifischen Bedürfnisse des Kindes ein und bietet ein individuelles Förderkonzept an.
Eine gute Zusammenarbeit zwischen Therapeut/in, Eltern und Kind ist dabei unerlässlich, um langfristige Erfolge zu erzielen.
Evidenzbasierte Förderung bezieht sich auf therapeutische Ansätze und Materialien, die durch wissenschaftliche Forschung nachweislich wirksam sind. Dabei wird auf Studien und Erkenntnisse zurückgegriffen, die zeigen, dass bestimmte Methoden und Materialien die Lesefähigkeiten und Rechtschreibkompetenz von Kindern mit Legasthenie effektiv verbessern können.
Evidenzbasierte LRS-Fördermaterialien umfassen beispielsweise speziell entwickelte Übungshefte, digitale Lernprogramme oder Software, die auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Diese Materialien sind so gestaltet, dass sie die kognitiven Fähigkeiten der Kinder gezielt ansprechen und im Idealfall den Erfolg der Therapie nachhaltig fördern. Für eine erfolgreiche Therapie ist es also von entscheidender Bedeutung, auf bewährte, wissenschaftlich fundierte Fördermethoden und -materialien zu setzen.
Bei der Förderung von Legasthenie ist es entscheidend, auf wissenschaftlich belegte, symptomspezifische Trainings zu setzen – also Maßnahmen, die direkt den Lese- und Rechtschreibprozess verbessern.
Teilleistungstrainings und alternative Methoden wie
Der Unterschied zwischen Therapie und Nachhilfe ist grundlegend.
Therapie ist ein gezielter, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierender Ansatz, der die zugrunde liegenden Ursachen der Legasthenie adressiert. Sie verfolgt das Ziel, die betroffenen kognitiven Prozesse (z. B. phonologische Bewusstheit, Lese- und Rechtschreibfertigkeiten) zu trainieren und zu verbessern. Eine Therapie erfolgt individuell und unter Berücksichtigung der spezifischen Stärken und Schwächen des Kindes. Eine qualifizierte Therapie, die sowohl am Lern- und Leistungsstand des Kindes ansetzt, als auch die emotionalen Bedürfnisse adressiert, ist der einzige effektive Weg, um langfristig erfolgreich mit Legasthenie umzugehen.
Nachhilfe hingegen konzentriert sich meist auf das Nachholen von Lernstoff. Sie geht nicht auf die tieferliegenden Ursachen von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten ein und ist daher für Kinder mit Legasthenie oft nicht ausreichend. Während Nachhilfe im Allgemeinen hilfreich sein kann (z. B. wegen Krankheit versäumter oder nicht verstandener aktueller Lernstoff), ist sie kein Ersatz für eine gezielte Legasthenie-Therapie.
Zusammengefasst:
Therapie geht der Ursache der Legasthenie auf den Grund und fördert spezifische kognitive Fähigkeiten.
Nachhilfe hilft bei allgemeinen Lernschwierigkeiten, ist jedoch nicht auf die Behandlung von Legasthenie ausgerichtet.
